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Quellenangaben und weiterführende Links

Pflegeheim - Zeit ist Geld

Pflegeheime werden von Behinderten zuweilen als "Anstalten" mit "Insassen" bezeichnet. Oder auch als "Ersatzknast" und "Sondermenschdeponie". Die Spitze des Eisberges sind die Skandale, die hin und wieder durch die Medien gehen: Todesfälle durch schlechte Pflege, Unternährung und faulende Wunden in Altenheimen.

Während die Unterbringung in einem Altenheim nicht selten lebensgefährlich ist, sind die meisten Behindertenheime "nur" menschenunwürdig. In Behindertenheimen fallen Todesfälle ein wenig eher auf...
Beispielsweise werden in Heimen Magensonden und Dauerkatheter ohne medizinische Notwendigkeit als "pflegeerleichternde Maßnahmen" eingesetzt.

"Pflegebedürftigkeit" entsteht, wenn ein Mensch von Dritten abhängig wird. Er wird zeitsparend "behandelt", "therapiert", "versorgt", "gefüttert", "gereinigt", "beglückt" - stets in der Rolle des passiven Objekts. In Pflegeheimen wird erwartet, daß er all diese "Bemühungen" dankbar lächelnd anerkennt und über sich ergehen läßt. Weil man dort behinderte Menschen als hilflose (Mangel-) Wesen betrachtet und entsprechend behandelt, lernen sie zusätzlich zu der Beeinträchtigung ihrer Behinderung auch noch, sich hilflos zu fühlen. Sie werden abhängig, passiv und hilflos gemacht.

Pflegeheim bedeutet: Vermeidbare Schmerzen. Nicht zur Toilette zu dürfen, wenn es nötig ist. Zu frieren oder zu schwitzen, weil niemand Zeit hat die Fenster zu öffnen oder zu schließen. Mit jedem und jeder unsympatischen oder auch unfähigen Pfleger/in jederzeit auskommen zu müssen. Jeden Tag aufstehen und zu Bett gehen nach Plan. Essen und Trinken was es gerade gibt - und alles das möglichst schnell.



Mit der immensen physischen und psychischen Belastung schwindet das Engagement der Pfleger/innen. Obwohl Ausbildung und Bezahlung in den letzten Jahren besser geworden sind, verlassen gerade die guten und interessierten Pfleger/innen immer noch häufig nach kurzer Zeit diesen Arbeitsbereich.

In anderen Berufen werden besonders fähige Mitarbeiter/innen befördert, ihre Leistung wird offiziell anerkannt und dann auch besser bezahlt. Nur so kann Qualität und Zufriedenheit gedeihen. Die durchschnittliche Verweildauer von Kranken- und Altenpfleger/innen in ihrem Beruf ist sehr kurz, sie beträgt nur wenige Jahre. Meist ist Aufhören ihre einzige Alternative, außer sie versuchen sich den systembedingten Nachteilen anzupassen oder diese durch persönlichen Einsatz wieder auszugleichen. Eine Folge der Überlastung und Überforderung kann das Burn-out-Syndrom sein, das letztendlich den Ausstieg aus dieser Arbeit fast unumgänglich macht.

Deshalb ist es dringend notwendig das System von staatlicher Seite aus zu verändern, d.h. die Mißstände zu beheben. Denn das eigentliche Berufsbild entspricht den Fähigkeiten und Interessen vieler Menschen, welches unter heutigen gesetzlichen Umständen nicht umgesetzt werden kann.



Da Heime ("Einrichtungen") zusätzliche Mittel z.B. über Bausubventionen erhalten, schneiden sie beim von Sozialhilfeträgern praktizierten "Kostenvergleich" unberechtigter Weise günstig ab. Diese betriebswirtschaftliche, nicht aber volkswirtschaftliche Vorgehensweise fördert den Aufbau schlechter Versorgungsstrukturen.

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Zitate

Die entwürdigenden Abläufe der Bevormundung lassen sich bei einer Heimeinweisung symptomatisch nachvollziehen: Am Anfang steht die erziehende Einweisung in die neue Umgebung ("Frau Meier, schön, daß Sie bei uns sind. Gewöhnen Sie sich erst mal bei uns ein."); es folgt die Reglementierung ("Die Essens- und Ruhezeiten sind genau einzuhalten.") dann die Strafandrohung ("Wenn Sie häufig klingeln, dann stellen wir die Klingel mal für eine Weile ab."). Am Ende stehen Disziplinierung ("Jetzt ist aber Schluß, tun Sie endlich, was ich Ihnen sage!") und der Versuch, Gegenwehr zur Krankheit zu erklären ("Frau Meier ist so unruhig, sie benötigt unbedingt noch 50 Tropfen Haldol.").
(...)
Angesichts des spürbär aufgeheizten Klimas an den Rändern der bundesrepublikanischen Gesellschaft erschreckt nicht nur das Desinteresse an den Vorgängen hinter Heimmauern. Kaum vorhanden ist das Bewußtsein, daß die Asylierung von Behinderten historisch betrachtet die erste Stufe von Maßnahmen war, die in Zwangssterilisationen und Massentötungen während des NS-Regimes mündeten.
» Autonom Leben Hamburg, Historie



Stellen Sie sich bitte vor, sie müssen ganz dringend zur Toilette, sie läuten, sie rufen und eine überlastete Pflegekraft ruft Ihnen zu: "Machen Sie bitte in ihre Windel, ich mache sie später sauber!" Würden Sie freiwillig in die Hose machen und dann Besuch empfangen?
(...)
Einrichtungsträger erliegen in zunehmendem Maße den Verheißungen der Inkontinenzmittelhersteller und bringen immer großvolumigere Inkontinenzeinlagen zum Einsatz, die oft unangemessen lang nicht gewechselt werden ("Fassungsvermögen bis zu 3,8 Liter"). Menschenverachtend, menschenunwürdig und erniedrigend! Wie pervers ist eine Gesellschaft, die auf den Pflegenotstand mit Turbo-Windeln reagiert! Vielleicht sollte man die Idee einmal auf dem Oktoberfest oder auf dem Arbeitsplatz anwenden. Ich empfehle unbedingt den Selbstversuch!!! Auch die Deutsche Bundesbahn könnte solche Windeln anbieten, da es immer wieder zu Problemen wegen besetzter oder defekter Toiletten in den Zügen kommt.
» Claus Fussek: Lebensqualität und Würde pflegebedürftiger Menschen in Zeiten der Minutenpflege - Wenn man einem Menschen seine Würde nimmt, dann hört er auf zu leben!


... seien rund 40 bis 85 v.H. der Senioren in Pflegeeinrichtungen wegen Unterernährung und Untergewicht stark gefährdet. Nach Expertenangaben gelten Dekubiti allgemein als Pflegefehler (...) und wird der Pflegebedarf für die Ernährungssicherung vielfach unterschätzt...
...Defizite in der Grund- und Behandlungspflege, von Experten als "gefährliche Pflege" (...) oder als "Katastrophe" bezeichnet (...), haben zuvor auch andere im Gesetzgebungsverfahren für das Pflegequalitätssicherungsgesetz und die Novelle des Heimgesetzes angehörte Sachverständige aufgezeigt.
(...)
Als eine zentrale Ursache für den Mangel an Fachkräften wird die nur sehr kurze Verweildauer der Altenpflegerinnen und Altenpfleger in ihrem Beruf genannt. (...). Den Ergebnissen zufolge sind nach fünf Jahren Berufstätigkeit in der Altenpflege nur noch 20 v.H. der Altenpfleger und Altenpflegerinnen in diesem Beruf tätig.
... So arbeiten in kaufmännischen Berufen rund 70 v.H. der Beschäftigten nach fünfjähriger Tätigkeit noch im erlernten Beruf.
... Etwa jede vierte Altenpflegekraft äußert bereits am Ende des ersten Berufsjahrs gravierende Schwierigkeiten mit dem erlernten Beruf und der Arbeit (...), und nur 49 v.H. der Befragten gaben nach diesem Zeitraum an, den Beruf noch einmal erlernen zu wollen.
(...)
...Die Befragungsergebnisse zeigen, dass Altenpfleger und Altenpflegerinnen inhaltlich und methodisch nicht ausreichend auf ihren Beruf vorbereitet werden und so der besonderen Belastung in Form einer Konfrontation mit physischem und psychischem Abbau, mit Krankheit, Behinderung, sozialer Isolation der zu Pflegenden, mit Sterben und Tod nicht standhalten können.
...Als weitere Gründe für das Ausscheiden aus dem Beruf werden schlechte Arbeitsbedingungen (Schichtarbeit, unangemessene Zeitarbeitsmodelle, Zeitmangel), körperliche Anstrengung, mangelnde Aufstiegsperspektiven, mangelhafte Personalausstattung und Personalqualifikation, untertarifliche Bezahlung, fehlende Anerkennung des Berufs sowie schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf genannt (...).
» Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (2 BvF 1/0, verkündet am 24. Oktober 2002)


Aus der Sicht pflegebedürftiger Menschen ist die Situation in den meisten Pflegeheimen unerträglich!...
Allein in den letzten fünf Jahren konnte ich nur in München über 80 (in Worten achtzig) Aktenordner mit tausenden von Briefen, Faxen, und Telephonnotizen zusammenstellen. Ca 70 Prozent der "Informanten" sind inzwischen Pflegekräfte. Die meisten anonym, aus Angst vor Repressalien, aber immer mehr gehen auch mit ihrem Namen an die Öffentlichkeit.
(...)
...verhungern und verdursten pflegebedürftige Menschen.
(...)
Jeder zweite Heimbewohner wird medikamentös ruhig gestellt.
(...)
Mir wird immer wieder geschildert, dass es offensichtlich immer noch genügend Pflegekräfte gibt, die stolz darauf sind, dass sie es ohne Probleme alleine schaffen in der Nacht für 70 pflegebedürftige Menschen verantwortlich zu sein, in der Früh um vier Uhr mit dem Waschen beginnen, "um den Frühdienst zu entlasten" und wie viele "Patienten sie in kürzester Zeit fertig machen können!"
(...)
Pflegeheime sind offensichtlich zu rechtsfreien Räumen geworden. Dies wurde mir auch in zahlreichen vertraulichen Gesprächen mit Kriminalbeamten, Staatsanwälten und Rechtsmedizinern bestätigt. Man muss sich das vorstellen: Wir brauchen inzwischen die Rechtsmedizin, um die Grundrechte, um eine menschenwürdige Pflege und Versorgung in bundesdeutschen Pflegeheimen durchzusetzen!
(...)
... da verfaulen pflegebedürftige Menschen bei lebendigem Leib unter unsäglichen Schmerzen.
.... niemand interessiert sich, wenn ca. 10 000 Menschen (Dunkelziffer) jährlich an den Folgen dieser Vernachlässigung sterben.
(...)
"Um 17 Uhr wird meine Mutter und die anderen Bewohner ins Bett gepackt. Dann die letzte Windel ...egal ob draußen die Sonne noch scheint. Dann starrt sie an die Decke. Das hat meine Mutter nicht verdient, das ist unmenschlich. Das sind hier Friedhöfe für Lebende."
» Claus Fussek, Vereinigung Integrationsförderung e.V.: Lebensqualität und Würde pflegebedürftiger Menschen in Zeiten der Minutenpflege - Wenn man einem Menschen seine Würde nimmt, dann hört er auf zu leben!


Nach Angaben der «Aktion Mensch» leben derzeit etwa 160.000 behinderte Menschen in der Bundesrepublik in Heimen. Davon sind etwa 40.000 behinderte Menschen in Einrichtungen mit weniger als 50 Plätzen, 72.000 in Heimen mit bis zu 200 Plätzen und 48.000 in Einrichtungen mit mehr als 200 Plätzen. «Diese Zahlen belegen, das noch mindestens 120.000, also 75 Prozent dieser behinderten Menschen in Einrichtungen mit mehr als 24 Plätzen leben», beklagte Miles-Paul. Fast 20 Prozent der Behinderten müssten ein Zimmer mit drei und mehr Mitbewohnern teilen. «Diese Situation widerspricht den Zielen des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderungen», so Miles-Paul. Mittlerweile gäbe es demgegenüber eine Vielzahl von Beispielen, die aufzeigen, wie die Hilfen auch anders organisiert werden können.
Zitat aus: kobinet-nachrichten, 13.02.03


"Wir beginnen langsam zu lernen, dass das Paradigma der fürsorglichen Betreuung nicht mehr greift. Die Menschen, die sich uns anvertrauen, können zu Recht von uns erwarten, dass wir sie nicht erziehen sollten, sondern sie in erster Linie in ihrer täglichen Lebensführung begleiten und unterstützen."
» Aus: Dr. Ulrich Spielmann / Josefs-Stift Eisingen: Mehr Mut tut Not, Mehr Mut für neue Wege in der Unterstützung von behinderten Menschen, im kobinet-Interview und in: INFORUM 4/2002 (Herausgeber: ForseA e.V.), 69 ff., Ingelfingen 2002


Anscheinend wird davon ausgegangen, dass die o.g. Zielgruppe, nämlich körperbehinderte Menschen, automatisch auch eine pädagogische Unterstützung benötigt.
Zitat aus kobinet-nachrichten, 10.03.2003: Wohnpflegeheime für Körperbehinderte?


Pflegekräfte arbeiten seit Jahren an der Belastungsgrenze: "Ich kann nicht mehr" "Wenn ich Akkord arbeiten möchte, dann gehe ich ans Fließband und nicht in die Altenpflege!" Ich bin nervlich am Ende. Ich bin entschlossen, den Beruf an den Nagel zu hängen" "Ich habe aus ethischen Gründen gekündigt!" Täglich erreichen uns unzählige Briefe, Faxe und Anrufe von verzweifelten Pflegekräften und Angehörigen aus der ganzen Bundesrepublik. Es wagen immer mehr den Weg an die Öffentlichkeit.
» Claus Fussek: Kurzfassung des Vortrages anlässlich des Sozialmedizinischen Expertenforums des MDS "Die Zukunft der Qualitätssicherung - Was bringt das Pflege-Qualitätssicherungsgesetz?" am 31. August 2000 in Berlin"


Aktionen und Hilfen

5. Mai 2006: Protest gegen die selbstverständliche Aussonderung behinderter Menschen in Sondereinrichtungen, gerne auch als "Heime" bezeichnet.
» Unterschriftenaktion und Aufruf: Marsch aus den Institutionen - reißt die Mauern nieder!

Bundesarbeitsgemeinschaft der Krisentelefone, Beratungs- und Beschwerdestellen für Betroffene, Pflegekräfte und Betreuer. Koordination der Bundesarbeitsgemeinschaft: HsM - Handeln statt Mißhandeln, Bonn.
» Adress- und Telefonliste der Bundesarbeitsgemeinschaft der Krisentelefone, Beratungs- und Beschwerdestellen für Betroffene, Pflegekräfte und Betreuer

SoVD,Sozialverband Deutschland, Pflege-Notruftelefon beim Landesverband Niedersachsen
Telefon: 01802 000 872
Neben Angehörigen und Nachbarn, die Mängel bisher nicht aufzeigten aus Furcht, daß sich die Situation der Pflegebedürftigen dadurch noch weiter verschlechtert, sind aber auch und gerade die MitarbeiterInnen von Pflegediensten und -heimen angesprochen, die möglicherweise aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz keine andere Möglichkeit sehen, auf gravierende Mängel hinzuweisen, die sie selbst nicht abstellen können. Auch Haus- und Fachärzte, denen Mißstände bekannt werden, können sich an uns wenden. Aufgezeigte Mißstände werden auf Wunsch anonym, in jedem Fall jedoch streng vertraulich behandelt.
» Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) - Landesverband Niedersachsen, Pflege-Notruftelefon

Forum zur Verbesserung der Situation pflegebedürftiger alter Menschen in Deutschland, Berengariastraße 5, 82131 Gauting, Telefon: +49 (0)89/89311054.
» Forum zur Verbesserung der Situation pflegebedürftiger alter Menschen

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Quellenangaben und weiterführende Links

» Forum selbstbestimmter Assistenz: Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder!
» www.verhungern-im-heim.de, Forum zur Verbesserung der Situation pflegebedürftiger alter Menschen in Deutschland
» 06.01.03 --- kobinet: Todesursache Pflegefehler
» 18.01.03 --- kobinet: Sicher aufgehoben bei Ordensschwestern?

www.assistenz.org
Stand: 7.11.07

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